Axel und Klara machen den Tag zur Nacht und entdecken in dieser Folge Leipzigs Nachtleben. Das Elipamanoke öffnet ihnen exklusiv die Türen und schnell wird deutlich, wieso es sich dabei um einen angesagten Club im Leipziger Westen handelt. Felix, der langjährige Bar-Chef, führt sie über die Dance Floors und verrät sogar brandheiße News vom „Eli“. Außerdem geben er und Anne vom Nachtrat Backstage-Insights über die Zusammenarbeit der gesamten Leipziger Nachtszene. Hört rein und staunt über die facettenreiche Nachtkultur in Leipzig!
Elipamanoke
Veranstaltungen im Eli
Nachtrat Leipzig
UT Connewitz
Conne Island
Tanzcafé Ilses Erika
Werk 2
die naTo
Diese Podcast-Folge wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.
Leipzig ist eine Stadt mit unzähligen Facetten: Musik und Kultur, Natur, Wasser und Freizeit, junge Kreativszene, versteckte Geheimtipps und beliebte Szenemeilen. Im Podcast „Willkommen in Leipzig“ kannst du hören, was es in unserer Stadt alles zu sehen gibt. Unsere beiden Moderatoren Aileen & Axel nehmen dich mit auf eine Reise in diese wundervolle Stadt.
Axel: Hallo und willkommen zurück zu unserem Podcast. Das hier ist: “Willkommen in Leipzig - Der Podcast für deine Leipzig-Reise”. Schön, dass ihr heute wieder mit dabei seid. Ich bin Axel und unterwegs mit meiner Kollegin Klara. Hallo Klara.
Klara: Hi. Ja, schön, dass wir wieder alle zusammen unterwegs sind. Heute wollen wir uns mal ein bisschen Leipzigs Nachtleben anschauen und dabei einerseits auf die ehrenamtliche Arbeit des Leipziger Nachtrats schauen. Und andererseits wollen wir auch mal ganz konkret einen der Places to be besuchen.
Axel: Ja, der Nachtrat sagt über sich selbst, Achtung!: “Wir sind die Brücke zwischen Nachtökonomie, Nachtkulturschaffenden, Bürger:innen, öffentlichen Behörden und zivilgesellschaftlichen Institutionen. Engagiert für eine vielfältige, nachhaltige und lebendige Nachtkultur fördern wir den Dialog und die Zusammenarbeit aller Beteiligten.”
Klara: Ja, super. Und was das in der Praxis heißt, das werden wir heute rausfinden. Wir sind verabredet beim Elipamanoke, von Leipziger:innen auch liebevoll das Eli genannt. Das ist in der Markranstädter Straße 4 in Plagwitz. Und dort treffen wir Anne Rauschenbach vom Nachtrat. Und wir schauen uns natürlich im Anschluss die Location auch noch mal genau an. Ich bin gespannt.
Axel: Ich auch. Ich glaube, ich war vor zehn Jahren schon mal hier. Mal schauen, was sich in der Zwischenzeit verändert hat.
Klara: Yes.
—
Intro: Willkommen in Leipzig - Der Podcast für deine Leipzig-Reise.
Klara: Hallo Anne, hi!
Anne Rauschenbach: Hi.
Klara: Schön, dass du Zeit gefunden hast. Kannst du uns ein bisschen was über deine Arbeit im Nachtrat erzählen?
Anne Rauschenbach: Ja, sehr gerne. Die Stelle, die ich begleite seit 1. April, heißt “Koordinierungsstelle Nachtleben”. Das ist quasi so was wie die Geschäftsstelle des Nachtrat. Das heißt, der Nachtrat trifft sich alle zwei Monate. Da sind ganz verschiedene Initiativen und Organisationen drin, die sich irgendwie mit Nachtleben in Leipzig beschäftigen, auch die Stadtverwaltung, zum Beispiel. Das Kulturamt und das Amt für Wirtschaftsförderung, jetzt beispielsweise.
Und, genau, wir besprechen dann alle zwei Monate, was gerade so Themen sind, die das Nachtleben in Leipzig betreffen. Und meine Aufgabe ist es dann, so ein bisschen quasi gut zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen und daraus dann abzuleiten, welche Weiterbildungs- oder Info-Abende ich gestalten kann für die Szene oder wo es vielleicht mal ‘n Anwohner:innen-Treffen geben müsste, weil es irgendwie kritische Orte gibt.
Anne Rauschenbach: Das hatten wir zum Beispiel im Westwerk schon, dass die Anwohner:innen sich da ein bisschen beschwert haben, weil es ein bisschen zu laut war. Und dann haben wir quasi Betreibende und Anwohner:innen zusammengerufen und haben gesagt, wir - dass wir uns mal kennenlernen, dass wir darüber sprechen können: Was sind eure Bedürfnisse - was sind eure Bedürfnisse und wie finden wir da einen guten Kompromiss? Oder ich organisiere, wie gesagt Workshops, Info-Veranstaltungen zu den Themen, die eben die Leute, die hier Nachtleben machen, in Leipzig, betreffen. Und dann, genau, versuche ich, die so zu unterstützen.
Klara: Also es ist nicht immer rein für die Veranstalter gedacht, sondern es ist so ein bisschen mehr..?
Anne Rauschenbach: Genau. Also Nachtleben ist einfach ein ganz großes Querschnittsthema. Da spielt ganz, ganz viel mit rein. Da gibt es auch das Thema Mobilität. Also die LVB beispielsweise hat auch in Zusammenarbeit mit dem Nachtrat des Nachtnetz entwickelt, was hoffentlich nächstes Jahr kommt. Oder, genau, es geht um Anwohner:innen. Es geht aber auch, genau, die Ämter, die eben viele Sachen genehmigen oder manchmal auch nicht. Und da geht es dann um Kommunikation. Am Ende ist es ganz, ganz viel Kommunikation über E-Mail, Telefon, wie auch immer, mit ganz vielen verschiedenen Leuten.
Klara: Damit wir dann schön entspannt feiern können, Axel.
Anne Rauschenbach: Genau.
Axel: Wenn du mal das Ganze eindampfen müsstest auf ‘ne kurze, knappe Antwort: Was macht der Nachtrat?
Anne Rauschenbach: Der Nachtrat ist ein Expert:innengremium, was sich regelmäßig darüber austauscht, wie das Nachtleben in Leipzig sicherer, gesünder, nachhaltiger, ähm, ähm, genau, gestaltet werden kann und ist auch ein Gremium, was sich so auf die Fahne geschrieben hat, vor allem die Subkultur in Leipzig zu unterstützen und zu erhalten. Weil aufgrund von Gentrifizierungsprozessen, die in Leipzig schon sehr lange laufen, gibt es viele kleinere, nichtkommerziellere Orte, die uns irgendwie verloren gehen. Und wir wollen da ‘n Auge drauf haben, dass das nicht irgendwann ganz verschwindet in der Stadt.
Klara: Ja.
Axel: Kannst du mal am Beispiel jetzt vielleicht vom Elipamanoke nachzeichnen, wie denn eure Zusammenarbeit so aussieht? Was- Wie, wie unterstützt ihr die Kulturschaffenden hier?
Anne Rauschenbach: Also das Elipamanoke ist beispielsweise auch im Livekombinat organisiert und das ist der Club-Verband der Stadt und der Club-Verband sitzt im Nachtrat. Und wenn jetzt, Felix beispielsweise ist auch Mitarbeiter hier im Elipamanoke, ist auch Sprecher vom Livekombinat. Der sitzt quasi mit in den Sitzungen drin. Und wenn es dann da ein Problem gibt, wenn es irgendwie- hier war es zum Beispiel, gab es eine Zeit lang, dass die Eigentumsverhältnisse nicht so richtig geklärt waren, weil das Gelände, auf dem wir gerade sind, der CG Gruppe gehört.
Und wir wissen ja, da gab es ein paar Insolvenzen und dies und das, und es war eine große Unsicherheit: Kann das Elipamanoke hier weiter bleiben? Und dann hat zum Beispiel Nils, das ist quasi mein direkter Kollege in der Stadtverwaltung, hat eben dann verschiedene Termine gemacht, um zu erörtern, wie ist hier die Situation? Und am Ende haben wir es geschafft, dass der Mietvertrag erst mal verlängert wurde und dass das Eli jetzt erst mal sicher ist.
Und auf der anderen Seite, am 13. Oktober veranstalte ich als Koordinierungsstelle hier so’ n Info-Abend zum Thema “Sicher veranstalten”. Da ist dann das Elipamanoke quasi die die Location. Und dann haben wir hier drei, vier Speakerinnen, die zu dem Thema sprechen und können eben Leute, die Veranstaltungen machen, dann hierher kommen und sich die Infos holen. Und so ist es so ein hin und Her, immer wieder und sehr individuell. Jeder Laden hat andere Bedürfnisse, jede Veranstalter:in hat andere Bedürfnisse und wir gucken immer, wie wir darauf reagieren können.
Klara: Aber dein Kollege in der Stadtverwaltung hätte vielleicht nicht mitbekommen, dass es hier ein Problem mit dem- und deswegen braucht man verschiedene Leute.
Anne Rauschenbach: Genau, das ist auch so das Besondere am Nachtrat, das ist quasi- Der Nachtrat ermöglicht auf Augenhöhe Kontakt zwischen Verwaltung, Politik und Szene. Und das ist wirklich deutschlandweit relativ einmalig, dass es so was gibt.
Klara: Mich würde noch interessieren: Wie viele Leute sitzen da an einem Tisch?
Anne Rauschenbach: Das schwankt immer mal, weil es sind ja auch viele, die im Ehrenamt das nur machen. Aber wenn so alle da sind, dann sind wir so 16 Personen, die am Tisch sitzen.
Klara: Okay, was habt ihr denn bisher erreicht, worauf ihr besonders stolz seid?
Anne Rauschenbach: Wir haben… Also erst mal, dass es dieses Konzept “Botschaft der Nacht” in Leipzig überhaupt gibt, mit dem Nachtrat, mit der Koordinierungsstelle und mit dem Fachbeauftragten für Nachtkultur, ist schon ein großes- eine große Errungenschaft der Szene. Das wurde wirklich von der Szene quasi über die Politik lange Zeit gefordert und dann letztendlich irgendwann umgesetzt. Das ist sehr, sehr wichtig, dass es das überhaupt gibt. Dass die Stadt dafür Geld ausgibt, das ist auch nicht in vielen Städten so. Wir haben zum Beispiel einen Leitfaden rausgebracht zum Thema “Stop Spiking”, also das Verabreichen von irgendwelchen chemischen Substanzen, die vielleicht Leute als Partydrogen konsumieren und dann aber anderen Menschen irgendwie ins Getränk machen oder so, um dann Schaden anzurichten. Da haben wir so einen Leitfaden aufgestellt für Veranstaltende, um die Party noch sicherer zu machen. Zahlreiche Infoveranstaltungen zum Thema “Brandschutz”, “Sicher veranstalten”, “Baugenehmigungen” etc. Wir sind aber auch sehr stolz darauf, dass wir die “Stadt nach Acht”-Konferenz jetzt in diesem Jahr nach Leipzig geholt haben. Das ist die größte deutschsprachige Nachtleben-Konferenz und die findet im November in Leipzig statt. Und ohne Nachtrat, ohne die beiden Stellen wäre das nicht zustande gekommen. Und da treffen sich quasi aus ganz Deutschland, auch europaweit kommen da Menschen, um zum Thema Nachtleben ins Gespräch zu kommen.
Axel: Gibt es also auch anderswo, in anderen Städten ähnliche Initiativen, mit denen ihr auch im engen Austausch steht?
Anne Rauschenbach: Genau. Es gibt ein Netzwerk, das heißt “Nacht Konsil”. Da sind gerade 16 Städte quasi drin, die alle so eine Stellen haben, die eher aber meistens in der Verwaltung angesiedelt sind. Also diese Szene-seitige Stelle, wie ich sie habe, die gibt es nur noch in Hannover und in Stuttgart. Und Leipzig war tatsächlich beispielgebend dafür. Also Hannover und Stuttgart haben das eins zu eins übernommen, was wir in Leipzig entwickelt haben.
Klara: Das heißt, das war auch ein kleiner Weg dahin, dass es den Nachtrat überhaupt gibt. Und seit wann gibt es den?
Anne Rauschenbach: Der Nachtrag wurde im September 2021 gegründet und die ersten Bestrebungen, also die- es wurde quasi eine Masterarbeit dazu geschrieben von Kordula Kunert, so ‘ne Kulturmanagerin hier aus Leipzig, die wurde 2019 geschrieben. Und daraus hat man dann dieses Konzept entwickelt, hat das eingebracht in den Stadtrat und dann mit der Corona-Pandemie war es eben auch so, dass viele Kulturschaffende relativ viel Zeit hatten und sich dann mit dem Thema ganz gut beschäftigen und das gut vorantreiben konnten konnten, sodass dann, genau, im September 21 der Nachtrat, dann wurde auch wenig später die Fachbeauftragte für Nachtkultur-Stelle besetzt, und die Koordinierungsstelle gibt seit August 23.
Klara: Und gab’s da, du hast es ja schon angedeutet, worauf ihr, was ihr schon so für Errungenschaften habt, aber gab es einen Moment, wo du sagst, du hast wirklich eine Veränderung gemerkt, seit er da ist, so was auch deinen Alltag betrifft?
Anne Rauschenbach: Ja, ich glaube, also, das merkt man halt eher, das musste ich auch ein bisschen lernen, als ich die Stelle angefangen habe, dass das große Ganze schwierig zu verändern ist. Ne, weil ich schon gesagt habe: Gentrifizierung in Leipzig, da hat man irgendwie das Gefühl, das ist so ein gottgegebener Prozess, hier kommen halt Leute mit Geld, kaufen Immobilien und schmeißen einfach die kleinen, süßen Läden, die da unten drin sind, einfach raus.
Und da sind uns auch die Hände gebunden, da wirklich was zu machen. Aber es sind so Kleinigkeiten, dass eben Leute Infos kriegen, die sie sonst gar nicht gekriegt hätten, die sonst eben vor der Stadtverwaltung stehen, ne, so wie bei Asterix und Obelix mit Passierschein A 38, und nicht wissen: “Wohin soll ich denn jetzt hier mit meinem Bedürfnis eigentlich?” Und dann sind Nils und ich halt erste Ansprechpartner:innen und können den Leuten relativ schnell weiterhelfen.
Und die Dankbarkeit, die da zurückkommt. Wie gesagt, es sind viele kleine Gespräche, die ich da führe, die mir da ganz viel geben. Das kann ich jetzt gar nicht so an konkret ein, zwei Beispielen festmachen. Aber es gibt viele, die sagen: “Ey, ohne das Gespräch, was wir geführt hätten, hätten wir das nicht umsetzen können, was wir geplant haben.” Und da merken wir schon, dass das, gerade so die Kommunikation zwischen Szene und Verwaltung, viel, viel besser geworden ist, seit es diese Stellen gibt. Und das macht richtig viel aus.
Axel: Was sind denn aktuell Projekte, die dich oder euch derzeit ganz besonders beschäftigen?
Anne Rauschenbach: Also wenn ich auf das nächste Jahr gucke, also jetzt gerade, beschäftigt uns vor allem die “Stadt nach Acht”-Konferenz und so und den einzelnen Menschen zu helfen, die sich bei uns gemeldet haben. Aber wenn ich so auf 27 gucke, hätte ich total viel Lust oder bin sehr motiviert, mit Leipziger Schulen zusammenzuarbeiten und dieses Thema “Teenie-Disco” da irgendwie weiter voranzutreiben.
Also “Teenie-Disco” klingt dann irgendwie blöd, aber eben einfach… Ich habe gemerkt, dass wir bei den jungen Menschen so ein bisschen die Schwierigkeit haben, dass die niemanden haben, von dem sie das Feierngehen lernen können, weil wir ja in der Corona-Pandemie, die dort in der Zeit irgendwie 18 geworden sind, die konnten alle nicht feiern gehen und somit haben die nächsten Generationen nicht so richtig Vorbilder, von denen sie lernen können, wie Feiern funktioniert.
Ich, als ich das erste Mal weggegangen bin, bin ich mit vier, fünf Jahre älteren Leuten weggegangen. Die haben mir quasi, ohne dass sie das bewusst gemacht hätten, aber von denen habe ich gelernt, wie Weggehen funktioniert. Und wir haben jetzt so 15-, 16-Jährige, die das halt nicht haben, weil die vor denen ja auch alle nicht weggehen konnten. Und das zieht sich so ein bisschen durch.
Und ich möchte gern gucken, dass ich mit Schulen zusammenarbeite, um quasi in der Schule ein-, zweimal im Schuljahr so eine Party zu machen, damit Leute diesen Dancefloor-Moment wieder erleben, wie cool das ist, mit anderen Leuten auf der Tanzfläche zu stehen, Musik zu hören, zu feiern und Spaß zu haben, damit sie erleben, was das eben ausmacht. Weil mich ganz viele Leute manchmal fragen: “Wozu soll ich denn 15 € Eintritt zahlen? Mit meinen Freunden abhängen und Musik hören kann ich auch ohne.”
Und da versuche ich immer zu erklären, dass es schon was anderes ist, wenn man auf ‘nem Dancefloor steht und die Musik von tollen Boxen hört. Und ich glaube, wir müssen die Erlebnisse in die Schulen bringen, damit das irgendwie in Zukunft wieder mehr Thema ist bei den jungen Menschen.
Axel: Vor allem, glaube ich, auch eine wichtige Präventionsarbeit, weil, ja: safe feiern gehen, das will gelernt sein.
Anne Rauschenbach: Voll. Absolut. Zu wissen, na, was man eben- “Do’s and Dont’s beim Weggehen”, so. Genau, und ich glaube, das kann man über so Schulpartys dann ganz gut vermitteln.
Klara: Mhm. I wish I had this.
Anne Rauschenbach: Ja, also zu meiner Zeit gab es hier im Volkspark immer sonntags irgendwie drei Stunden Teenie-Disco. Da konnte man mit 16 dann hingehen und es war super cool. Gibt’s halt gar nicht mehr. Und so was müssen wir wieder einführen. Weil wir bei vielen Umfragen gehört haben, dass gerade die jungen Menschen, wo man ja sagt, die gehen nicht mehr weg, das stimmt nicht. Die haben einfach ein anderes Sicherheitsbedürfnis als wir vielleicht früher. Wir waren früher, glaube ich, ein bisschen naiver. Das ist jetzt einfach nicht mehr der Fall. Dadurch, dass auch in den Medien viel darüber gesprochen wird, was so im Nachtleben eben manchmal passieren kann, sind die jungen Menschen sehr vorsichtig geworden. Und mein Ziel ist es irgendwie, das Nachtleben, so, sicherer zu machen, dass die sich eben auch wieder trauen, einfach frei von der Leber weg mal feiern zu gehen und eben nicht sagen: “Ja, da fährt nachts kein Bus mehr, dann komme ich nicht nach Hause, deswegen gehe ich gar nicht erst.” Das finde ich sehr schade.
Klara: Ja, klingt wie ‘ne super wichtige Aufgabe.
Anne Rauschenbach: Mhm.
Axel: Ja, und für diese Aufgabe wünsche ich dir nicht nur in diesem, sondern auch im nächsten und vielen weiteren Jahren ganz viel Erfolg.
Anne Rauschenbach: Dankeschön!
Axel: Ganz lieben Dank für diesen echt interessanten Einblick in euer Wirken. Und ich hab rausgehört, dass das schon wahrscheinlich sehr, sehr wichtig ist, weil ohne euch wird’s schwierig, glaube ich, in so ‘ner wachsenden Stadt.
Anne Rauschenbach: Genau, das denke ich auch. Dankeschön.
Klara: Danke auch von mir.
—
Axel: Ja, nachdem wir uns das Eli jetzt eine Weile von außen angesehen haben, wollen wir natürlich auch mal reinschauen. Wir sind verabredet mit Felix. Er ist unter anderem Bar-Chef vom Elipamanoke und er wird uns sicherlich einen guten Einblick geben, was hier am Abend so geht. Wollen wir ihn nicht länger warten lassen. Gehen wir rein.
Klara: Hi, Felix.
Felix Heukenkamp: Ja, hi alle zusammen! Schön, dass ihr da seid. Willkommen im Eli.
Axel: Hi, ich bin Axel.
Felix Heukenkamp: Freut mich, euch zu sehen.
Axel: Danke.
Klara: Danke für die Einladung. Genau. Wir haben viele neugierige Fragen mitgebracht.
Felix Heukenkamp: Ich hoffe, ich habe Antworten für euch.
Klara: Zunächst mal, wie kommt ihr auf diesen coolen Namen?
Felix Heukenkamp: Ja, das habe ich mich eigentlich auch schon oft gefragt und bin das auch oft gefragt worden. Es hat tatsächlich einen sehr persönlichen Hintergrund des Geschäftsführers. Es ist tatsächlich ein Wortspiel aus dem Namen seiner Kinder und eine Erweiterung dessen. Eines seiner, einer seiner Söhne ist im selben Jahr geboren worden, wie das Eli damals aufgemacht hat und so ist der Name über drei Ecken entstanden.
Klara: Ja, witzig.
Felix Heukenkamp: Und spiegelt auch so ein bisschen den privaten familiären Charakter des Ladens wieder.
Axel: Sehr privater, familiärer Charakter ist vielleicht schon ein gutes Stichwort: Wie würdest du denn eure, eure Art beschreiben? Was macht euch aus, hier im Eli?
Felix Heukenkamp: Also ich glaube, jeder, der hier schon mal feiern gewesen ist, oder vor allem auch jemand, der hier arbeitet, würde uns schon als Family bezeichnen. Wir haben ‘nen sehr familiären Charakter. Hier kennt eigentlich jeder jeden. Wir haben ’n sehr großen Stammkunden:innen-Kreis. Man begrüßt sich hier, man trifft sich auch privat. Der Großteil des Personals wohnt zusammen in WGs, arbeitet schon viele, viele Jahre hier. Und für viele stellt das hier wie so ein Wohnzimmer dar, wo man sich häufiger aufhält als zu Hause.
Axel: Okay, cool. Magst du uns denn vielleicht mal in euer Wohnzimmer reinlassen, dass wir uns das mal anschauen können?
Felix Heukenkamp: Na klar, kommt doch mal mit.
Axel: Super.
Klara: Super.
Felix Heukenkamp: Das ist erst mal der Hof, den habt ihr schon gesehen. Im Sommer spielt hier ab und zu vielleicht mal auch leise Musik. Ansonsten lädt das sehr zum Verweilen ein. Und dann gehen wir mal auf den großen Floor, auf den Main Floor. Das ist der sogenannte Eli-Floor. Ist sowieso schon immer der Haupt-Floor gewesen. Mit ein paar Umbaumaßnahmen ist das eigentlich so das Herzstück. Ihr seht gerade, dass das DJ-Pult in der Mitte ist. Das ist eines unserer Veranstaltungskonzepte, dass die Gäste um das Pult herum tanzen können und der DJ so ein bisschen in der Mitte drin ist, oder die DJane. Es kann aber auch umgebaut werden und dann ist das Pult da hinten. Wir haben auch gerade angefangen, wieder vermehrt Konzerte durchzuführen, werden auch immer mehr Konzerte machen und dann finden hier auch Konzerte statt. Dann ist dort die Bühne. Und da gibt es Toiletten. Da ist die Haupt-Bar, das ist mein Arbeitsbereich, bin hier nämlich Bar-Chef seit zehn Jahren und da arbeiten meine Leute.
Klara: Sehr gut.
Felix Heukenkamp: Da ist auch eine Garderobe. Und genau.
Axel: Ja, ihr habt hier einen sehr, ich würde mal sagen, Industrial Charme, irgendwie viel mit Stahl, Stahlträger, auch ist hier so’n, ja wie so ein kleines, so eine Begrenzung, fast schon Käfig, mit, mit so Gitter-Platten, sieht irgendwie echt rough, aber auch, ja, geräumig aus trotzdem. Finde ich cool.
Felix Heukenkamp: Ja, es ist also tatsächlich sehr flexibel im Umbau. Die Gitter sind ein bisschen dafür da, um die Gäste besser leiten zu können, dass man besser durchkommt. Die sind aber auch ’rausnehmbar, gerade wenn Konzerte sind. Das kann ja easy schnell umgebaut werden. Und ja, Industrial, das ist natürlich auch irgendwie ein altes Industrieobjekt, wie eigentlich das gesamte Gelände hier. Im Dunkeln sieht es noch mal anders aus.
Natürlich. Die Kollektive können auch sich selber mit ihren Dekokonzepten hier austoben. Aber das ist so unser Hauptkonzept. Wir haben diese Mittelsäule, die auch angebeamt werden kann und da hinten kann noch gemappt werden. Hier findet viel mit Lichtkonzept statt. Wir haben ein sehr tüchtiges Technikteam, was sich da auch sehr kreativ austobt, und ja.
Klara: Also ich kann mir das richtig gut im Dunkeln mit Licht und Mucke vorstellen. Trotzdem die Frage: Hier passen ja bestimmt nur eine bestimmte Anzahl an Leute ein. Habt ihr da so ein Konzept, wie ihr dann den Einlass und Auslass gestaltet?
Felix Heukenkamp: Ja. Also, wir wissen natürlich, wie viele Leute hier reinpassen, ne? Also, wenn man die Gitter rausnimmt - und es kommt auch drauf an, wie die Veranstaltung so ein bisschen gedacht ist - passen hier schon so 200 Leute rein. Auf dem Flur unten sieht das noch mal ähnlich aus. Und wir wissen natürlich, wie viele Leute hier reinpassen. Und wir haben auch Personal, was während der Veranstaltung durch den Laden läuft, guckt: Verteilt sich das gut oder sind alle gerade auf dem einen Floor? Und dann gibt’s vorne auch Einlass-Stopp. Also, da achten wir schon sehr drauf. Es wird sonst auch ungemütlich.
Klara: Und das DJ-Pult in der Mitte finde ich cool, weil, dann können auch so kleine Menschen wie ich was sehen und abhotten.
Felix Heukenkamp: Genau. Und wenn wir dann unten auf den anderen Floor gehen, dann seht ihr, da ist auch noch mal das ähnliche Konzept. Etwas, was sich tatsächlich sehr etabliert hat. Ihr seht auch diese Podeste da in den Ecken, die können auch näher an das Pult rangerückt werden, sodass hier wie so eine kleine Arena entsteht und die Leute um das Pult herum tanzen können.
Klara: Ah, cool.
Felix Heukenkamp: Und ihr seht auch hinter mir Tischtennisplatten. Hier findet ja auch jeden Mittwoch vor der Veranstaltung Tischtennis statt, indoor. Die Leute können also hier auch vorher Tischtennis spielen.
Klara: Das ist nice. Das lockert das ein bisschen auf und macht so ein bisschen auch, also Freizeit-Charakter so, da geht das fließend ineinander über.
Felix Heukenkamp: Genau. Also nicht jeder will unbedingt tanzen, nicht jeder informiert sich auch über unsere Veranstaltungen, sondern viele kommen einfach her, weil hier deren Freunde sind, weil sie hier einfach gerne sind. Draußen steht ein Kicker und man kann auch einfach an der Bar sitzen und chillen, was die Leute halt gerne machen. Zu bestimmten Veranstaltungsformaten finden auch einfach andere Sachen statt. Hier findet Karaoke statt oder Musik-Bingo. Wir hatten letztens ein Bobbycar-Rennen und es gibt ein Schnaps-Glücksrad und so. Es gibt ganz viele kleine Spielarten und Bastelecken, wo je nach Veranstaltung hier der Gast herkommen kann und sich austoben kann.
Klara: Ja, cool.
Felix Heukenkamp: Ist für viele was dabei.
Axel: Also ihr seid nicht nur klassischer Club, wo am Wochenende irgendwie eine Veranstaltung ist, sondern man kann auch unter der Woche herkommen? Ihr habt ein reguläres Tagesgeschäft, kann man das so sagen? Habt ihr jeden Abend Bar-Abend oder wie läuft das bei euch?
Felix Heukenkamp: Nee, also ich würde schon sagen, wir sind schon mainly ‘n Club. Unsere Hauptöffnungstage sind Mittwoch, Freitag, Samstag. Mittwoch ist, “between” heißt die Veranstaltungsreihe. Da ist immer ab 19:00 Uhr Tischtennis, kostet ’nen kleinen Obolus, kann man Getränke mitbringen, kann man hier verweilen. Und ab 23:00 Uhr ist dann die Veranstaltung. Das Konzept der Veranstaltung ist, dass wir Newcomer-Kollektive und junge Künstler:innen hier halt ‘nen Raum bieten.
Die können niedrigschwellig hereinkommen, müssen nicht in Vorkasse gehen und haben sogar gute Chancen, hier mit ein bisschen Geld rauszugehen. Das ist der Mittwoch und lädt gerade solche Leute ein, dazu herzukommen. Ansonsten Freitag, Samstag - natürlich Wochenende, das Geschäft. Und wie schon erwähnt, haben wir jetzt auch vermehrt Konzerte. Die finden meistens dienstags oder donnerstags statt. Sonntags ist ab und zu mal eine “After Hour”-Party hier, auch ‘ne schöne Veranstaltung. Das ist eigentlich unser Hauptgeschäft. Also, wir haben nicht jeden Tag offen, sondern nur zu diesen Öffnungszeiten. Aber abgesehen davon, diese Spielereien und so, und das findet zu den Veranstaltungen selbst statt. Meistens machen wir so um Mitternacht auf, mal ‘ne Stunde früher.
Klara: Also, jetzt haben wir einen Floor auf jeden Fall sehen können. Ich bin ‘n bisschen gespannt, wie es unten ausschaut. Wollen wir da noch mal hingehen und anschließend noch mal zur Bar?
Felix Heukenkamp: Natürlich, sehr gern! Also, hier ist es natürlich ein bisschen abgesperrt, hier ist eigentlich dann offen. Hier ist der Eingang für die Gäste, dann dort rein zur Bar. Das ist der Notausgang.
Klara: Okay, wir gehen nämlich wieder durch den Hof. Also, vom Hof ist quasi alles begehbar.
Felix Heukenkamp: Das oben ist der eli-Floor gewesen. Jetzt gehen wir ins Kronik.
Klara: Wir gehen eine Treppe runter, aber sind immer noch fast auf Erdgeschoss-Niveau.
Felix Heukenkamp: Genau. Der Floor heißt eigentlich “xx super Kronik”. Wer schon länger in Leipzig ist, erinnert sich, dass hier eigentlich mal noch ‘ne andere Location drin war. Eine Art von Club, bevor es das Eli gab, und zwar das Superkronik. Und wir haben dann den Floor irgendwann übernommen und um dem natürlich irgendwie ein bisschen Tribut zu zollen, ist das hier das xx super Kronik geworden.
Das ist also der untere Floor, bekannter für die härtere Musik und eigentlich so das, was unsere Gäste am meisten mögen. Hier ist auch der Sound mit Abstand am besten, würde ich sagen. Hier ist auch ein schönes Lichtkonzept drin. Und wie ihr seht, ist auch hier das Pult in der Mitte. Das war von Anfang an das Konzept hier. Das hat sich auch schon immer etabliert gehabt. Und, ja.
Klara: Sehr cool.
Felix Heukenkamp: Auch das sieht im Dunkeln natürlich anders aus. Und ich kann euch ja vielleicht mal noch einen klitzekleinen Einblick geben. Wir haben nämlich gerade einen dritten Floor im Bau.
Axel: Oh.
Klara: Ich glaube, wir kriegen brandneue News.
Felix Heukenkamp: Ihr kriegt ‘ne ganz neue Info. Denn da hinten war früher eigentlich mal ’ne Garderobe und ein Chill-Bereich. Wir haben die Garderobe jetzt abgerissen und den Raum vergrößert und im Oktober machen wir da unseren neuen, dritten Floor auf. Der ist noch im Umbau, da findet noch nichts statt. Aber ihr könnt schon mal reingucken, wie der Raum geworden ist, und das wird ganz großartig werden. Ich habe leider kein anderes Licht, aber.
Klara: Es gibt Handylicht. Das Beste von allen. Aaah! Okay!
Felix Heukenkamp: Der Raum ist vorher halb so groß gewesen. Hier war halt noch eine Garderobe drin. Hier war noch ein bisschen Absperrung drin. Ist noch eine harte Baustelle. Aber das wird der neue untere Floor werden. Natürlich auch als Chill-Bereich, wenn er nicht genutzt wird. Aber wir haben auch einige Kinky- und Sexpositive-Veranstaltungen, dann kann hier ein super Darkroom rein. Ja.
Axel: Dark ist es schon.
Felix Heukenkamp: Dark ist es schon. Wie gesagt, es ist gerade nicht mal Strom drin, glaube ich. Zumindest habe ich mich nicht getraut, hier irgendwo einen Bauscheinwerfer einzustöpseln.
Axel: Okay, aber es ist trotzdem etwas kleiner als der andere Raum, wo wir drin waren, ja?
Felix Heukenkamp: Genau. Aber das war immer so der kleine Floor, wo so die ganz abgespacete, die ganz harte, die ganz verspulte, die ganz lustige Musik lief oder auch Karaoke. Hier lief auch schon Hightech drin und Tribe und das war eigentlich immer so ein kleines-, da waren immer nur 20 Leute drin, die das übelst gefeiert haben. Und manchmal war der Floor aber zu klein dafür, weil die Leute das einfach gefeiert haben. Und dann natürlich das neue Herzstück. Das könnte sogar richtig gut werden.
Klara: Also, ihr habt quasi schon das ein bisschen am Laufen gehabt und dann gemerkt, das ist eigentlich was, was wir selbst ausbauen können?
Felix Heukenkamp: Genau.
Klara: Ja. Gab’s so‘n auslösender Moment, wo ihr gesagt habt: “Lasst’ das jetzt machen”?
Felix Heukenkamp: Na, ich glaube, mit Corona, wo wir auch verordnet geschlossen gewesen sind, haben wir die Zeit genutzt und ganz viele Umbaumaßnahmen halt in die Hand genommen. Wir haben die Toiletten erneuert komplett, teilweise neu gebaut. Wir haben eine neue Lüftungsanlage bekommen. Das, was früher oben mal Floor war, ist jetzt Werkstatt und Backstage. Und da ist natürlich eine lange Liste an Sachen entstanden, die wir, auf die wir halt Bock haben.
Aber natürlich im laufenden Tagesgeschäft - seit der Wiedereröffnung haben wir eigentlich immer offen gehabt und nie irgendwie mal ein veranstaltungsfreies Wochenende oder Sommerpause - ist natürlich nicht viel Zeit für so was. Und das hier hat sich aber in den letzten Jahren sehr etabliert. Und natürlich brauchen wir auch, ihr habt’s gesehen, wir haben nur ‘nen kleinen Hof, der Sommer ist natürlich schön, aber im Winter ist es halt kalt und wir brauchen auch einen Rückzugsort, einen Chill-Bereich, ’ne Chill-Area, wo die Leute halt hingehen können, wo es aber auch beheizt ist.
Und das zu vergrößern, ist natürlich auch irgendwie ein Hintergedanke gewesen. Aber auch einfach- wir hatten irgendwie selber nicht so wirklich auf dem Schirm, auf was für einem Schatz wir hier gesessen haben, dass hier noch Räume sich auftun. Und jetzt gehen wir das mal an. Und hier an der Tür steht sogar dran, wann wir aufmachen, glaube ich. Ich hab’s nämlich nicht im Kopf.
Am 17. Oktober zur Superpamanoke werden wir diesen Floor einweihen.
Klara: Wunderbar. Da können sich die Eli-Besucher auf jeden Fall auf was freuen, ist ein neuer Raum.
Axel: Kann man dann vielleicht so zusammenfassen, dass alle, die es ein bisschen härter mögen, die gehen hier runter in den Keller und die anderen, die so’n bisschen auch vielleicht ins Feiern einsteigen, die sind oben auf dem eli-Floor besser aufgehoben?
Felix Heukenkamp: Ich glaube, traditionell kann man das so sehen. Aber ich glaube, es vermischt sich auch gerade stark. Viele spielen auch damit, oben die härtere Mucke zu spielen und unten die seichtere. Es hängt absolut vom Veranstaltungskonzept der jeweiligen Kollektive oder von uns ab. Grundsätzlich würde ich das immer schon behaupten, dass es so ist; hier unten ist auch ausgelastet für die härtere Mucke. Und wer harte Mucke mag in Leipzig, kommt sowieso gerne her.
Axel: Was gefällt dir denn am Eli am besten?
Felix Heukenkamp: Ich glaube, ich bin hier so reingerutscht, wie unsere Stammgäste hier auch alle reinrutschen. Ich arbeite ja seit mittlerweile-, ich habe im April mein Zehnjähriges hier gefeiert.
Klara: Herzlichen Glückwunsch!
Felix Heukenkamp: Ich bin jetzt seit zehn Jahren hier, war bestimmt vorher zwei, drei Jahre schon hier privat feiern. Und mich hat gleich dieser, dieser private, dieser familiäre Charakter geflasht. Ich hab hier schnell Freunde gefunden, auch Freunde, die hier arbeiten.
Bin dann relativ schnell zu einem Bar-Job gekommen und mach den seit zehn Jahren extrem gerne. Ich mag mein Arbeitsumfeld, mag meine Arbeitskolleg:innen. Ich mag es, in diesem Kulturbereich zu arbeiten. Halt eigentlich dort, wo ich immer gerne auch privat gewesen bin. Und auch, wie man im Kulturbereich arbeitet, nicht unbedingt die Bezahlung, das geht aber allen so. Aber ich mag das Miteinander. Ich mag den offenen Charakter, ich mag die Diversität im Laden und den toleranten Umgang.
Klara: Mhm. Hast du da auch einen Einblick in so, wie das in anderen Städten abläuft? Manchmal-, du bist ja quasi, kennst dich ja mit dem Nachtleben viel besser aus als wir. Und wenn man so woanders hinreist, Freunde besucht, mal einen Blick in eine andere Stadt bekommt: Ist das was, wo du sagst, da kannst du vergleichen oder ist das…?
Felix Heukenkamp: Was den Club angeht oder das Arbeitsumfeld?
Klara: So insgesamt die Nachtleben-Kultur hier in Leipzig quasi. Ich meine, du bist ja jetzt hier und deswegen kennst du, kennst du es eher aus der Perspektive vom Eli. Aber würdest du sagen, das findet man so auch in anderen Städten, was du, was du hier beobachtest in Leipzig?
Felix Heukenkamp: Also, ich glaube, dieser familiäre Gedanke, dieser kollektive Gedanke ist was, was eigentlich die Underground-Szene, die Techno-Szene, die Club-Szene an sich überhaupt ausmacht und weshalb das auch viele Leute zieht. Natürlich auch der künstlerische Anspruch, der kulturelle Anspruch. Man muss aber sagen, jetzt, da es das Eli wirklich schon seit bald 20 Jahren gibt - und das hast du nicht so oft in Leipzig, dass es eine Spielstätte wirklich so lange gibt, ‘nen Club - haben sich hier die Strukturen auch über die Jahre sehr etabliert und auch das Team ist sehr stabil und fest.
Es gibt nicht nur mich, der hier seit über zehn Jahren arbeitet und der hier mitgewirkt hat und mitgestaltet hat. Und jeder kann irgendwie seine Ideen mit einbringen oder mal selber eine Veranstaltung machen. Und ich weiß nicht, ob, ob es das wirklich in jedem anderen Laden gibt. Viele Läden sind auch gerade neu aufgemacht worden oder umgezogen, müssen sich neu sortieren, neu etablieren.
Gerade aber auch dieser, was wir eigentlich uns auf die Fahne schreiben, was eins unserer, unser wichtigsten Punkte sind, ist diese Nachwuchsförderung. Wie es schon immer wichtig gewesen ist, dass man als junger Künstler, als junge Künstlerin schwierig halt reinkommt, mal zu ‘nem Act reinkommt, gerade aus der Region. Und das sind wir immer gewesen. Also alles, was Nachwuchs von morgen ist, Kollektive, die morgen mal berühmter oder größer werden, die haben hier mal angefangen. Genauso wie jedes Kollektiv, was heute schon in Leipzig bekannt ist und jetzt auch in etablierten Clubs spielen, die haben früher alle hier angefangen.
Klara: Ja, man braucht diese Ausprobierbühne ja auch.
Felix Heukenkamp: Ja, unbedingt. Und das braucht auch diese Kreativräume, diese Freiräume. Sonst überlebt halt die ganze Kreativszene nicht. Also auch als junge Bands, kleine Bands suchst du aktuell gerade schwerlich nach Räumen, nach Locations, die dir wirklich noch eine Bühne bieten, weil sich das einfach nicht mehr rentiert. Und wir haben die Floor-Größe, die du selten findest noch in Leipzig, in der Region. So 250 Leute, 200 Leute im Konzert. Find’ mal ‘ne Location dafür. Und da sind wir relativ günstig. Deswegen sind wir auch gefragt, gerade.
Klara: Ja, weil die Kleinen füllen ja vielleicht noch keine 700-Leute-Hallen oder noch größer, ne, so?
Felix Heukenkamp: Nee, aber irgendwann werden sie das vielleicht mal. Und, also, wir hatten vor drei Jahren Ikkimel hier, die könnten wir uns jetzt auch nicht mehr- kann sich weder jemand leisten, noch haben wir die Kapazität dafür. Wir haben hier auch schon Kapa Tult gehabt. Also das hat sich schon, bringt schon was.
Axel: Mhm. Magst du uns dann noch mal an deinen Tanz-Bereich führen? Ich würde gern die Bar noch mal sehen.
Felix Heukenkamp: Ach, na, aber sehr gerne! Warte, ich mach mal oben auf. Dann seht ihr besser.
Felix Heukenkamp: Hier sind wir. Das ist das, mein Herzstück.
Klara: Ist ja ganz schön groß!
Felix Heukenkamp: Die Haupt-Bar. Ja, ich kenne größere, tatsächlich.
Klara: Ja, du bist der Profi.
Felix Heukenkamp: Aber es liegt ja nicht nur an der Länge des Tresens, sondern auch an der Stabilität des Teams. Und ich bin wirklich sehr, sehr dolle stolz auf mein Bar-Team hier. Und viele arbeiten auch schon fast so lange wie ich hier und viele auch schon, haben auch schon vor Corona hier angefangen. Und die Bar ist ausreichend für den hohen Durchlauf, den wir haben.
Klara: Wie viel seid ihr denn hinter dem Tresen? So im Schnitt.
Felix Heukenkamp: Zu einer normalen Wochenends-Veranstaltungen sind hier vier Leute gleichzeitig. Wenn wir mit volleren Veranstaltungen rechnen, hat die Bar unten auch gleichzeitig noch offen. Dann sind wir zu sechst. Manchmal brauchen wir das.
Axel: Und habt ihr hier ausschließlich Getränke-Ausschank oder kann man auch was essen? Wie läuft das bei euch?
Felix Heukenkamp: Essen haben wir leider so gar nicht gar nicht. Das gab es immer mal wieder. Leider hat es sich in der Vergangenheit nie so wirklich etablieren können. Das hängt auch damit zusammen, wie sehr rentiert sich das für jemand Externes? Intern können wir das leider nicht stemmen. Es hat auch so ein bisschen Platzprobleme, ne? Da gelten auch noch mal andere Hygiene-Richtlinien und so und das ist alles ein bisschen schwierig.
Es gibt einzelne Veranstaltungen, wo aber mal ein bisschen extern was dazu gebucht wird. Dann gibt es draußen tatsächlich auch mal einen Essens-Stand. Ansonsten hier an der Bar findet aber nur Getränke-Ausschank statt, die üblichen Sachen. Das meiste ist in Flaschen. Schnaps wird sehr gern getrunken. Wir haben natürlich auch Longdrinks und Cocktails. Im Sommer gab’s jetzt immer mal ‘ne Bowle. Ab und zu gibt es auch mal einen Flohmarkt hier, dann gibt’s auch mal Glühwein oder Bowle, je nachdem.
Klara: Cool.
Axel: Wir haben vorhin mit Anne vom Nachtrat gesprochen. Welchen Stellenwert hat denn für euch die Zusammenarbeit, jetzt vielleicht mit Anne konkret oder auch mit dem Nachtrat ganz allgemein?
Felix Heukenkamp: Na, ich glaube, spätestens seit Corona, was ja nicht nur für uns eine Zäsur gewesen ist, das war auch der Zeitraum, wo ich dann zum Livekombinat und dann in den Nachtrat gekommen bin, ist uns allen relativ schnell bewusst geworden, dass wir als Club keine Einzelspieler sind, sondern als Kulturszene, dass wir alle im selben Boot sitzen, dass wir darauf angewiesen sind auf den Erfahrungsschatz anderer Läden.
Und das es auch ein wichtiger Zusammenhalt ist, gerade wenn es um kulturpolitische Statements geht oder um Positionen. Und gerade in dieser Zeit ist die Leipziger Clubszene und die Livemusik Spielstätten sind stark zusammengewachsen, haben sich vernetzt, haben über das Livekombinat, dem Verband der Leipziger Clubs und Livemusik-Spielstätten, natürlich eine gute Infrastruktur aufgebaut und darauf aufbauend natürlich dann auch im Nachtrat mitgewirkt.
Ich persönlich, ich bin ja auch im Vorstand vom Livekombinat, sitze auch fürs Livekombinat im Nachtrat, bin also irgendwo überall schön mit drin. Und wir haben natürlich auch festgestellt, dass es weit mehr Themen gibt als nur das, was den Club an sich betrifft, sondern dass man das Konzept “Nacht” halt groß denken muss, dass es nicht nur um Party geht, dass es um den öffentlichen Nahverkehr geht, dass es um Ruhestörung geht, dass es um Awareness im öffentlichen Raum gehen könnte, um Sicherheit und dass da unser Erfahrungsschatz enorm gefragt ist, aber andersrum wir natürlich auch auf den Erfahrungsschatz anderer, anderer Läden bauen können.
Und natürlich die Vernetzung, die Zusammenarbeit mit den städtischen Institutionen, mit der Polizei usw. ist enorm wichtig. Und das ist eigentlich fast nicht mehr wegzudenken. Gerade wenn es darum geht, über Awareness-Konzepte zu denken. Wir haben ein sehr gutes Konzept, was auch eine Vorbildfunktion hat. Der Nachtrat bietet Weiterbildungen an, Workshops, Trainings-Angebote, wo auch unser Personal daran teilnimmt und natürlich auch Weiterbildungsmaßnahmen, die direkt an unsere Gäste adressiert sind.
Wir können nicht alles selber kuratieren und aufstellen, aber wir können natürlich Räumlichkeiten bieten. Und wenn der Nachtrat so was initiiert, sind wir natürlich gerne dabei, auch unsere Räumlichkeiten dafür anzubieten. Und das sind alles wichtige, wichtige Punkte. Also, ich glaube, die Vernetzung des Nachtlebens und der Akteur:innen des Leipziger Nachtlebens ist das, was irgendwie im Leipziger Nachtrat gipfelt und was die Arbeit dieses Nachtrates so enorm wichtig macht und was natürlich Anne, die Koordinierungsstelle Nachtleben, halt ihre Arbeit so unbedingt wichtig macht.
Klara: Wenn du so einen Blick in die Zukunft wirfst: Was, was kommt auf euch zu, was wir vielleicht wissen sollten?
Felix Heukenkamp: Ich hab’s vorhin vielleicht schon erwähnt, aber das man Elipamanoke feiert im April nächsten Jahres 20 Jahre Geburtstag. Es passiert nicht so oft, dass eine Location, ein Club ein so hohes Alter erreicht, schon gar nicht in Leipzig, schon gar nicht immer am selben Ort. Und ich will noch nicht zu viel verraten, aber wir werden einen ganzen Monat Geburtstag feiern.
Es wird Lesungen geben - wir haben nicht einen ganzen Monat offen - aber es wird Lesungen geben, es wird Workshops geben, es wird Konzerte geben, es wird Raves geben, es wird Partys geben. Und ich denke, jeder, der in Leipzig lang genug ist, kann eigentlich, kennt das Eli, das Eli ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Und wir würden uns ganz, ganz dolle freuen, jeden, der hier in den letzten 20 Jahren mal gewesen ist, doch mal vorbeizuschauen und mit uns unseren 20-Jährigen zu feiern.
Denn wir haben auch festgestellt mittlerweile, dass unser Publikum nicht nur aus Leipzig selbst kommt. Wir haben gerade jüngst angefangen, auch mal eine Besuchenden-Umfrage zu machen, wo denn, mit Postleitzahlen, wo unsere Gäste herkommen. Und tatsächlich haben wir auch mittlerweile ein überregionales Standing, dass Leute aus ganz Deutschland herkommen, um den Leipziger Sound, den Leipziger Underground, Leipziger Techno zu hören und dafür herkommen. Deswegen: Die Party solltet ihr nicht verpassen. Ich arbeite seit zehn Jahren hier, aber da werde ich sein und vermutlich arbeiten. Einen ganzen Monat lang.
Klara: Ja, das ist vor allen Dingen cool, dass ihr mehrere Veranstaltungen macht. Da ist auf jeden Fall für jeden was dabei, glaube ich.
Felix Heukenkamp: Ja, und ansonsten immer Mittwoch, Freitag, Samstag. Wir haben auch dieses Jahr noch eine spannende Veranstaltungsplanung. Im Oktober sind viele Konzerte hier und viele schöne Veranstaltungen. Es ist eigentlich für jeden was dabei. Kommt vorbei. Besucht mich an der Bar!
Axel: Wo kann ich mich denn informieren, wenn ich wissen möchte, was so ansteht in nächster Zeit?
Felix Heukenkamp: Also die gängigsten Sachen. Wir haben natürlich eine Website auf elipamanoke.de. Würde ich aber nicht jedem empfehlen, weil die immer noch im Umbau ist. Unsere Veranstaltungen findet ihr auf Resident Advisor natürlich, Rausgegangen postet natürlich viele Veranstaltungen von uns, aber wir haben natürlich einen Instagram Kanal, @elipamanoke, wo wir alles posten und wer es noch privater möchte: Wir haben natürlich auch einen Telegram-Channel, wo auch alle unsere Veranstaltungen drin sind. Das ist auch der aktuellste, da posten wir nämlich auch mal, wenn Einlass-Stopp ist oder wenn sich irgendwas akut verändert hat usw. Da kriegt man die besten Informationen her.
Axel: Alles klar. Dann sage ich: Felix, ganz lieben Dank für den Einblick, erst mal in die Location, in dein Wirken hinter der Bar, im Nachtrat - war ein super Überblick. Ganz herzlichen Dank!
Felix Heukenkamp: Ich danke euch. Schön, dass ihr hier gewesen seid.
Klara: Vielen Dank.
—
Axel: Das war unser Besuch beim Elipamanoke. Leipzig hat ein paar andere Locations, die ganz ähnlich ticken. In Connewitz zum Beispiel laden das UT Connewitz mit seinem Kino-Feeling oder auch das Conne Island zu Konzerten und Partys ein.
Klara: Ja, im UT Connewitz war ich sogar letztens im Kino. Das kann ich nur empfehlen. Wenn ihr noch andere Locations mögt, dann schaut doch mal beim Tanzcafé Ilses Erika vorbei. Oder, einen Katzensprung weiter, bietet das Werk 2 euch auch echt ein breites Spektrum aus Kultur, Konzerten und Kreativwerkstätten an. Gemütlicher geht es übrigens in der naTo in der Südvorstadt zu. Da treffen Filmmusik und Kleinkunst auf einen kleinen urbanen Sommergarten. Axel, da warst du doch auch schon mal, oder?
Axel: Ja, die Folge könnt ihr liebend gern nachhören, überall, wo es Podcasts gibt. Kann ich wirklich empfehlen.
Klara: Ja, guck gerne in die Podcast-Shownotes, da findet ihr alles zur heutigen Folge. Und noch viel mehr Tipps gibt es natürlich auf leipzig.travel.
Axel: Und wenn euch gefällt, was ihr hört, dann freuen wir uns über eine positive Bewertung. Und auch Abonnieren nicht vergessen, kostet auch nichts. So seid ihr bei der nächsten Folge direkt mit dabei.
Klara: Hoffentlich hören wir uns wieder. Macht’s gut und bis dahin!
Axel: Ciao.
—
Intro: Willkommen in Leipzig - Der Podcast für deine Leipzig-Reise.