Der Ratskeller Leipzig befindet sich direkt unter dem Neuen Rathaus. Treppab wartet Braumeister Sven Lucas Jahn in der geschichtsträchtigen Location auf Axel und Aileen, um sie durch das weitläufige Kellergewölbe zu führen und ihnen Einblicke in die Kunst des Bierbrauens zu geben. Denn der Ratskeller ist nicht nur eine empfehlenswerte Adresse für gutes Essen, sondern hat auch eine eigene Braumanufaktur. Hier entsteht eine Vielfalt an Lotteraner Bieren (mit und ohne Alkohol) und anderen Getränken – benannt nach dem berühmten Leipziger Bürgermeister Hieronymus Lotter. Natürlich darf eine kleine Verkostung nicht fehlen! Axel und Aileen testen sich für euch durch verschiedene Biere. Wie es ihnen schmeckt und wie Ihr in der Braumanufaktur mehr über die Kunst des Bierbrauens lernen könnt, hört Ihr in dieser Folge von „Willkommen in Leipzig – der Podcast für deine Leipzig-Reise“.
Ratskeller Leipzig
Gasthaus & Gosebrauerei „Bayerischer Bahnhof“ & Wilhelm Horn Markenspirituosen
Dolden Mädel Braugasthaus
Gosenschenke „Ohne Bedenken“
Zum Wildden Heinz
Naumanns Gaststube
Substanz Leipzig
Biergarten unterm Ginkgo-Baum im Budde-Haus
Biergarten am Pier1
Biergarten im HEIDE SPA Bad Düben
Diese Podcast-Folge wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.
Leipzig ist eine Stadt mit unzähligen Facetten: Musik und Kultur, Natur, Wasser und Freizeit, junge Kreativszene, versteckte Geheimtipps und beliebte Szenemeilen. Im Podcast „Willkommen in Leipzig“ kannst du hören, was es in unserer Stadt alles zu sehen gibt. Unsere beiden Moderatoren Aileen & Axel nehmen dich mit auf eine Reise in diese wundervolle Stadt.
Aileen: Hi. Schön, dass ihr heute wieder mit dabei seid. Ihr hört “Willkommen in Leipzig - der Podcast für deine Leipzig-Reise”. Ich stehe hier gerade vor dem neuen Rathaus in Leipzig, genauer gesagt vor dem Ratskeller und natürlich auch heute wieder mit an meiner Seite ist mein Kollege Axel. Morgen, Axel. Hi!
Axel: Hallo Aileen und willkommen zurück, liebe Hörer:innen. Ja, also im Ratskeller bin ich vor einigen Jahren schon mal gewesen. Und ja, meine Denke ist, dass es hier schon ziemlich deftiges Essen gibt. Mit so einem Eisbein kannst du mich aber eher nicht gewinnen. Ich hoffe, das weißt du, oder?
Aileen: Das weiß ich, Axel Und ich denke auch so nach den letzten Strapazen der Folge im Kletterpark mit deiner Höhenangst machen wir es heute mal ein bisschen entspannter. Und ich wette, dabei kommst du auch auf deinen Geschmack.
Axel: Hilf mir mal!
Aileen: Mensch Axel, der Ratskeller hat doch auch eine Braumanufaktur. Da wird das Lotteraner gebraut.
Axel: Ah, okay. Also mehr muss ich nicht wissen. Wo geht’s lang?
Aileen: Hier lang.
Axel: Und da sind wir wahrscheinlich genau richtig. Sind Sie der Braumeister? Ja, ich bin Axel. Hallo.
Aileen: Hallo, Aileen.
Intro: Willkommen in Leipzig. Der Podcast für deine Leipzig-Reise.
Sven Lucas Jahn: Ja, Der Eingang ist teilweise so ‘n bissl versteckt. Das war auch so ein bisschen, auch mit dem Schriftzug oben drüber - das hilft auch nicht immer. Denn Leute denken: “Ah, naja, ist historisch noch da.”
Aileen: Wir gehen jetzt hier runter.
Aileen: Wir haben uns jetzt hier im Ratskeller zusammengefunden mit Sven Lucas Jahn. Vielen Dank, dass wir hier sein dürfen in diesem, ja, sehr schönen, fast heiligen Hallen mit dem wunderschönen Deckengewölbe.
Axel: Ja, vielen Dank. Wir sind hier schon in einem ziemlich spannenden Raum und ich sehe hier auch ein, ja, treppenähnliches Gebilde. Wo sind wir hier? Und was macht diese Wendeltreppe hier?
Sven Lucas Jahn: Also, das ist unser Schalander. Ja, sozusagen von den Pausenräumen, von Aufenthaltsräumen in den Brauereien früher angelehnt, sozusagen als der Raum für die Angestellten. Das ist ja jetzt nicht mehr. Es ist leider nicht mehr unser Pausenraum. Mittlerweile sind hier hauptsächlich auch kleine Gruppen platziert. Das Brauseminar wird hier gehalten. Früher mal als Kaffeekabinett eingerichtet gewesen, aber seitdem, kurz nachdem die Brauerei hier auch reingekommen ist, 2017, haben wir das hier ein bisschen umgestaltet.
Sven Lucas Jahn: Ja, die Treppe ist so ein bisschen Hinterbleibsel aus alten Zeiten, so als Möglichkeit für Bürgermeister, Oberbürgermeister und wer sonst noch alles oben ungesehenerweise zum Bierchen, Weintrinken oder sonstigen Sachen herunterkommen wollte, ohne dass es jeder mitkriegen sollte. Oder natürlich auch in eine andere Richtung nutzbar, dass Leute hoch geschleust werden konnten, die nicht durch den Haupteingang gehen sollten oder durften.
Aileen: Hinter uns steht jetzt ganz groß an der Wand “Lotteraner”, was ja hier gebraut wird. Können Sie uns direkt zum Einstieg mal ein bisschen was über die Braugeschichte generell hier erzählen? Also, das Bier ist ja irgendwie benannt nach Hieronymus Lotter. Ist das richtig?
Sven Lucas Jahn: Hier ist tatsächlich an Hieronymus Lotter angelehnt, der Name. Wir haben hier 2017, also im Jahr 2017, die Brauerei eröffnet, damals mit dem Oberbürgermeister zusammen, und die Anlage ist natürlich ein bisschen vorher eingebaut worden und ja, brauchten natürlich irgendwie einen Namen für das Ganze. Da unser alter Bürgermeister und Bauherr und da er eine bedeutende Persönlichkeit, Leipziger Persönlichkeit, der Hieronymus Lotter, war und auch für seinen exzessiven, nicht ganz einwandfreien Lebensstil auch bekannt wurde, dachten wir schon,
Sven Lucas Jahn: das passt doch eigentlich so ein bisschen. Das kann man auch genießen. Also. Das passt schon ganz gut, auch so als Brauerei-Name und auch andere Produkte sind nach anderen Leipziger Persönlichkeiten benannt oder sächsischen Persönlichkeiten. Und dann versuchen wir natürlich auch, Lokalität ein bisschen weiter hervorzuheben.
Axel: Sie haben vorhin schon die Seminare angesprochen, die Sie ja auch geben. Wie sind Sie denn zu Ihrem Beruf als Braumeister gekommen?
Sven Lucas Jahn: Oh, natürlich wie eigentlich, ja, der Großteil der Brauer und ein bisschen über Umwege. Ganz, ganz, ganz wenige kommen erst mal überhaupt auf die Idee. Davon muss man auch erst mal wissen, dass es existiert. Also ich bin auch nicht im Brauereigewerbe oder familiär damit aufgewachsen, sondern bin auch genauso mit all den schönen Fernsehbieren usw aufgewachsen und war, muss ich sagen, ich habe Bier getrunken, aber das war damals auch nicht so das das Beste und das tollste und beste Getränk aller Zeiten.
Sven Lucas Jahn: Das ist bei mir tatsächlich eigentlich erst später gekommen. Im ersten Studium. Ich habe direkt nach der Schule erst mal angefangen, Informatik zu studieren unten in Bayern und habe da dann auf einmal festgestellt, dass es dort eine Bierkarte gibt und die nicht zwei Biere, Pils und alkoholfreies Pils oder Hefeweizen, sondern dass es wirklich anderthalb Seiten teilweise waren mit verschiedenen Bieren und da und dann festgestellt okay, es gibt da doch durchaus Unterschiede, es schmeckt doch nicht alles gleich und es kommt wirklich, wirklich drauf an, wie man mit den Rohstoffen umgeht und was man damit macht.
Sven Lucas Jahn: Und kann sehr, sehr, sehr leckere Sachen draus machen, auch mit den begrenzten Zutaten. Wir haben ja doch eine sehr strenge, sehr kurze Zutatenliste beim Bier. Aber auch da, wenn man weiß, wie, kann man sehr viel draus machen. Und das hat mich so ein bisschen begeistert. Habe die Lehre angefangen damals in Arnstadt angefangen und bin in meiner Lehre mit meinem damaligen Meister hier als erster Lehrling 2017 hierhin gekommen und habe hier meine Lehre beendet, dann beschlossen, dass ich dann doch noch mal was mit der Uni versuche und bin an die TU München unten in Freising und hab bei Weihenstephan dann meinen Diplom-Braumeister gemacht.
Aileen: Neben den Seminaren hier: Wie kann ich denn, wenn ich hierher komme, noch die Braukunst erleben? Gibt es da noch ein weiteres Angebot?
Sven Lucas Jahn: Wir haben natürlich so ein bisschen, kann man das natürlich staffeln, wie sehr möchte man sich was, wie angucken, Probiersets usw bieten wir sowieso generell immer an. Ansonsten: Wenn man es natürlich vorbestellt, kann man eine Tour machen. Das ist dann einfach ja eine halbstündige Tour. Ich erzähle ein bisschen was, natürlich zum Brauprozess und wie das Ganze hergestellt wird.
Sven Lucas Jahn: Und gucken wir uns kurze Brauanlage rein, gehen runter in die Keller, und gehe dann so ein bisschen auch drauf ein: was macht es aus und warum ist handwerklich hergestelltes Bier tatsächlich Sollte es auch einen höheren Stellenwert haben? Und warum können wir nicht mit den Preisen von der Industrie mithalten? Und was alles reingeht? Also, sehr viele denken ja auch: Bier und zusammen kippen, n bissl Alkohol drinne und fertig. Ist ein sehr langwieriger Prozess, wenn man es tatsächlich auf klassische Weise macht und wo man auch sehr viel planen muss.
Axel: Tour war ein sehr gutes Stichwort. Ich würde vorschlagen, dass wir uns vielleicht mal auf eine solche begeben, wir uns mal die Brauanlage anschauen.
Sven Lucas Jahn: Können wir ja auch sehr gerne. Natürlich super.
Axel: Jetzt stehen wir hier vor großen messingähnlichen Kesseln.
Sven Lucas Jahn: Kupferverkleidung Und ja, es ist natürlich nicht 100 % pures Kupfer. Das ist immer eine Legierung. Aber ja, es ist sehr, sehr, sehr viel Kupfer, das auch eine ganze Weile dauert, zu polieren, was man immer wieder mal machen darf. Manchmal denke ich, wir putzen es fast ein bisschen zu viel. Viele Gäste glauben, das ist nur Deko. Das kann ja gar nicht die Brauerei sein.
Axel: Sie steht ja auch mitten im Gästesaal.
Sven Lucas Jahn: Ja, sie steht mittendrin. Und wer würde denn so was machen? Also bei uns geht es natürlich allein dadurch, dass wir vormittags nicht aufhaben und während der Zeit, also quasi bevor die Gäste kommen, überhaupt wir brauen können, Können dadurch aber auch nur einen Sud pro Tag machen. Also einen Durchgang pro Tag. Mehr wird echt unangenehm für alle Beteiligten. Das würde bedeuten, dass man irgendwo um Richtung Null uhr nachts anfangen müsste.
Aileen: Wie viel kommt dann dabei raus?
Sven Lucas Jahn: Das ist ein Zehn-Hektar-Sudwerk. Das heißt, wir sind etwas unter 1000 Liter, manchmal ein bisschen über 1000 Liter, je nach Biersorte tatsächlich, die wir herstellen. Das ist ein bisschen unterschiedlich. Aber so in dem Dreh. Ja, das ist eine Anlage von Johann Albrecht gebaut, das ist ein Anlagenbau aus München, die sich so auf Kleinanlagen spezialisiert haben und die wir auch zum großen Teil gewählt haben, weil, was die baulichen Bedingungen angehen, zum einen vom Denkmalschutz war Kupferverkleidung eine Bedingung.
Sven Lucas Jahn: Das hat ein Zwei-Geräte-Sudwerk, das heißt, das geht quasi immer hin und her. Die Geräte haben alle mehrere Funktionen. Ansonsten wäre das Sudhaus natürlich wesentlich, wesentlich größer, wesentlich mehr Gefäße, aber dadurch dauert’s bei uns auch relativ lange. Also am Sud sind wir so acht Stunden beschäftigt.
Aileen: Ist da jetzt quasi das Lotterander drin, was am Ende dann… Gibt es vom Lotteraner verschiedene Sorten?
Sven Lucas Jahn: Es ist nur die Marke. Das ist tatsächlich nur die Marke.
Aileen: Ah, okay, und es gibt verschiedene Sorten?
Sven Lucas Jahn: Wir stellen vier Sorten permanent her. Eigentlich jetzt mittlerweile fünf, eigentlich sechs haben wir am Hahn. Davon ist eins das Alkoholfreie, also helles, dunkles Weizen und Gose haben wir permanent. Das Alkoholfreie haben wir mittlerweile auch permanent. Und ein Spezialbier, das wir halt immer mal wechseln, das ist immer eine wechselnde Sorte. Davon machen wir einen Durchgang, einen Tank und dann, wenn der alle ist, gibt es das nächste.
Sven Lucas Jahn: Das war auch ein bisschen Abwechslung für uns und auch die Gäste, dass es immer mal wieder was Besonderes gibt. Da orientieren wir uns natürlich auch so ein bisschen an, welche Jahreszeit gerade ist. Was könnte gerade passen? Und da können wir da so ein bisschen Spezialitäten auch anbieten.
Axel: Welche Produkte gibt es denn noch neben Bier? Ich habe doch auch ein paar andere Sachen entdeckt.
Sven Lucas Jahn: Ja, also Produkte bieten wir doch relativ viel an! Also wir haben mittlerweile auch unsere eigene Kaffeemischung, die wir auch natürlich verkaufen, auch unter dem Lotteraner-Label. Die Brennerei haben wir mittlerweile auch seit zwei Jahren. Die läuft zwar unter dem Label Feingeist, aber letztendlich steht es 3 Meter daneben. Das machen wir auch. Gin machen wir selber und haben auch angefangen, Whisky selber herzustellen.
Sven Lucas Jahn: Das wird allerdings noch ein bisschen dauern, bis wir den tatsächlich auf den Markt bringen können. Weil Whisky muss mindestens drei Jahre im Holzfass gelagert sein, sonst darf man es nicht Whisky nennen. Ansonsten Gewürze. Also wir haben ja auch teilweise so unsere eigenen Gewürzmischungen, die wir auch hier den Gästen anbieten, die man selber kaufen kann, Liköre und und und und und Also letztendlich nahezu alles von unseren Produkten kann man auch irgendwie dann tatsächlich auch so kaufen.
Sven Lucas Jahn: Hopfen-Fassbrause, die mischen wir oft komplett selber an, die Hopfen-Fassbrause. Der Limetten-Geschmack ist so ein bisschen das Dominante, daran. Da ist auch tatsächlich ein bisschen was vom alkoholfreien Bier drin, dass man so ein bisschen den hopfigen und den kleinen Biercharakter auch noch mit dabei hat.
Aileen: Jetzt kann man ja hier nicht nur natürlich Bier trinken, sondern der Ratskeller wird ja auch für andere Sachen genutzt. Also hier kann auch gegessen werden.
Sven Lucas Jahn: Ja, ich würde sogar fast sagen, dass das so einer der Hauptgründe ist, weswegen Leute hier hinkommen. Ja, wir sind natürlich, haben das Glück, eine sehr gute Küche zu haben und auch ein sehr engagiertes Küchenteam, die sich auch immer mal wieder auch ein paar moderne Schliffe usw auch zu klassischen Gerichten einfallen lassen und das auch immer wieder abändern. Also die Klassiker, die werden in der Karte bleiben, also Haxe und Roulade, da kommen wir nicht drum herum.
Sven Lucas Jahn: Wir wollen natürlich auch immer mal wieder auch ein bisschen was anderes bieten den Gästen, die doch mal öfter zu uns kommen und vielleicht nicht nur 900 Gramm oder die große, ich glaube 1200 Gramm-Haxe essen wollen.
Aileen: Also gibt es auch vielleicht so vegetarisch-vegane Gerichte?
Sven Lucas Jahn: Natürlich, absolut und das ist komplett auch nicht mehr wegzudenken. Das ist absolut Grundvoraussetzung, dass man das mittlerweile hat. Und wir haben so insgesamt immer vegane Optionen.
Aileen: An das Thema anknüpfend: Wie ist es denn generell mit dem Thema Nachhaltigkeit? Also ich meine an sich, wenn es, ich finde, wenn es ein Handwerk ist, dann ist es ja meistens schon an sich per se ein bisschen nachhaltiger als jetzt einfach aus der Industrie gekauft. Aber wie, wie findet sich das hier im Ratskeller, auf der Karte etc. wieder?
Sven Lucas Jahn: Also es findet sich natürlich wieder, dass wir auch an verschiedenen Programmen teilnehmen, die Nachhaltigkeit fördern und vor allen Dingen aber auch, dass wir sehr viel Wert legen, dass wir regional einkaufen und auch regionale Produkte benutzen und das auch ja dementsprechend auch kennzeichnen, dass wir regionale Produkte benutzen, weil letztendlich ja, wir wollen hier in unserer Gesellschaft so ein bisschen das Ganze vorantreiben und wollen natürlich auch, sagen wir mal, Transport ist oftmals einer der großen Punkte, was wirklich den Schaden anrichtet.
Sven Lucas Jahn: Und wenn man das minimieren kann und lokal dann der Gesellschaft dann noch ein bisschen aushelfen kann. Es ist keinem geholfen, wenn wir zwei Kontinente weiter alles einkaufen, weil es für uns dann billiger ist. Da unterstützen wir lieber lokale Händler und Produzenten.
Axel: Das war ein interessanter Exkurs. Jetzt würde ich aber vorschlagen, dass wir uns jetzt doch noch mal des Pudels Kern widmen und noch mal auf den Brauprozess schauen. Ich weiß, Wasser, Gerste, Hopfen, Malz darf ins Bier rein. In welcher Reihenfolge und wann kommt das zusammen? Und habe ich überhaupt recht mit dem, was ich sage?
Sven Lucas Jahn: Gerste und Malz ist in dem Fall sozusagen eigentlich der eine Rohstoff. Es ist Malz. Also, wir dürfen mittlerweile auch mehr als nur Gerste einsetzen wieder. Fast alle Biere, nahezu alle Biere haben einen Gerstenmalz-Anteil. Ja, der Großteil ist natürlich Wasser. Die Getränke. Da sind wir so bei knapp 90 % des Volumens und immer Wasser ein bisschen drüber sogar noch.
Sven Lucas Jahn: Letztendlich wird das Malz angeliefert, also das kaufen wir ein, das stellen wir nicht selber her. Das wäre ‘n bissl arg aufwendig. Das wird hier im Sudhaus dann, ja, wird unten geschrotet, wird hier hoch befördert, wird hier im Sudhaus mit Wasser vermengt zu einem doch relativ feststoffhaltigen, aber Brei, der dann tatsächlich ermöglicht, dass die Enzyme, die in der Gerste enthalten sind, die Stärke angreifen und abbauen, das ist letztendlich eigentlich der Hauptsinn des ganzen Prozesses. Wir wollen die Stärke, die in den Körnern, in den Maiskörner enthalten ist, abbauen, in Zucker.
Sven Lucas Jahn: Wir brauchen den Zucker für die Hefe einfach als Nahrung, sonst gibt es keinen Alkohol. Und das halt zu vollenden, die Feststoffe wieder rauszuholen, dann kommt der Hopfen noch dazu, auch das müssen wir auch im Sudhaus machen, weil auch da braucht man Hitze, damit der Hopfen überhaupt wasserlös-, also die Bestandteile überhaupt wasserlöslich werden. Sonst geben wir das Ganze rein.
Sven Lucas Jahn: Es riecht einmal schön und aber im fertigen Produkt ist davon nichts mehr mitzukriegen. Also das ist so ein bisschen der ganze Hintergrund, dass wir ja die Stärke abbauen müssen. Und das ist auch der Grund, warum wir Malz einsetzen und nicht einfach Gerste reinkippen. Es ist halt gekeimtes Getreide, das heißt, es hat die Enzyme schon mal selber aufgebaut, um den Stärkekörper angreifen zu können, weil es das ja gerne will,
Sven Lucas Jahn: eigentlich, um zu wachsen. Nur so weit lassen wir es nicht kommen. Den Spaß beenden wir dann, bevor eine Pflanze daraus wird und da brechen wir es ab, wird es getrocknet wieder und dann wird es als Malz verwendet. Es wird zerkleinert, dass wir tatsächlich drankommen auch, mechanisch, und dann hier in wässrige Lösungen gebracht, wo es dann die Stärke abbauen kann.
Sven Lucas Jahn: Dann haben wir die ganzen Feststoffe. Deswegen haben wir das andere Gefäß noch, die wir wieder rausholen müssen. Das. Im Läuterbottich, der hat ein Sieb im Boden unten drinne. Das wird zusammen mit der Spelze, das ist eine Kornhülle, die die Gerste hat, die auch nicht alle Getreidesorten haben. Deswegen auch die Gerste eine der Getreidesorten ist, die genutzt werden. Dass die die hat, diese Spelze, die dann zusammen mit diesem Metallgitter-Boden einen Filter bilden und wir die Flüssigkeit, also Gewürze dann genannt, die süße Flüssigkeit, die auch wirklich, wirklich sehr schön süß ist, dann abziehen können und eine klare Flüssigkeit haben, wo wir dann wieder den Hopfen reinschmeißen können und das ganze kochen, dass der Hopfen gelöst ist und dann ultimativ wieder die Bestandteile vom
Sven Lucas Jahn: Hopfen rausholen müssen. Und dann können wir tatsächlich endlich, endlich das Ganze kaltmachen und die Hefe dran geben. Und dann kommt’s in den Tank und dann ist zwar sozusagen vom der Heißbereich Ende, das ist seit acht Stunden bei uns, aber dann geht es halt in den längeren Teil für das Bier. Gärung, sind wir so bei bis zu zwei Wochen, je nach Sorte.
Sven Lucas Jahn: Und dann kommt noch mal die Lagerung darauf, dass das ganze auch ein bisschen mehr Gärungs-Nebenprodukte abbaut und ein bisschen runder wird. Und auch, dass die Hefe sich ein bisschen absetzt. Wir filtrieren ja auch nicht. Also, ist ja alles naturbelassen. Dementsprechend müssen wir das danach ein bisschen stehen lassen und auch da sind wir bei 4, 6, 8 Wochen. Das ist auch ein bisschen sortenabhängig.
Sven Lucas Jahn: Manche gehen deutlich, deutlich schneller, manche dauern länger.
Axel: Also, wir haben uns jetzt mit Ihnen zu einer kleinen Spezial-Mini-Tour verabredet, an deren Ende gleichwohl auch noch eine Verkostung stattfinden wird. Vorher aber noch die Frage: Was erwartet denn die Gäste bei der wirklich umfangreichen und detaillierteren Tour?
Sven Lucas Jahn: Also bei der Braumanufaktour, bei der halbstündlichen, ja, da gucken wir uns natürlich auch so ein bisschen das Sudhaus an, aber hauptsächlich sind wir da unten in den Kellern und sonst sehen wir so ein bisschen natürlich, wie Bier hergestellt wird. Das muss man kurz mal ein bisschen anreißen, weil auch das ist nicht unbedingt landläufig bekannt. Die Zutaten und Reinheitsgebot, das kriegt irgendwie noch meistens jeder hin.
Sven Lucas Jahn: Aber was daraus passiert und wie das Ganze von statten geht, das ist natürlich eher weniger, und natürlich auch so ein bisschen den Aufwand, der damit verbunden ist, so ein bisschen den Leuten naheführen, weil es hängt einiges dran. Auch, dass man auch den Kasten aus dem Supermarkt mitnehmen kann. Da hängt sehr, sehr, sehr viel dran. Auch da haben sich sehr viele Leute sehr lange Köpfe darüber gemacht, wie man das machen kann und auch, was den Unterschied ausmacht zu einem handwerklich hergestellten Bier, zu den Industriebieren.
Sven Lucas Jahn: Und auch da muss man halt manchmal auch zugeben: Ja, im kleinen Rahmen ist nicht alles besser. Aber ein paar Sachen kann man halt machen, die man Industrie nicht machen kann oder sich schlichtweg nicht leisten kann. Und das so ein bisschen zu betonen und warum es tatsächlich anders ist. Ja, unser Bier kann man nicht ein paar Monate draußen auf dem Balkon in der Sonne stehen lassen und dann erwarten, dass es auch gut schmeckt.
Sven Lucas Jahn: Das würde ich sowieso generell nie empfehlen, aber bei unbehandelten Bieren, die sind natürlich bei weitem nicht so lange haltbar wie komplett stabilisierte Biere. Aber jede Stabilisierung usw, alles, was man irgendwie für die Haltbarkeit macht, nimmt auch immer wieder ein bisschen Qualität weg. Und wer meint, ach so ehrlich muss man schon mal sein, man nimmt immer ein bisschen Geschmack und immer ein bisschen was raus, sonst wird es nicht funktionieren.
Sven Lucas Jahn: Wenn es die Möglichkeit gäbe, es ohne Nachteile zu machen, würde es jeder sofort und immer machen.
Axel: So, jetzt bin ich aber wirklich heiß, mal das originale Lotteraner zu probieren.
Sven Lucas Jahn: Ja, gerne. Das machen wir doch dann.
Axel: Und wie genau heißt das jetzt hier, was wir hier haben?
Sven Lucas Jahn: Das ist unser Lotteraner Helles Kellerbier. Das ist tatsächlich das so mit Abstand, was wir am meisten ausschenken, was am meisten getrunken wird. Es ist halt einfach so ‘n schönes süffiges Helles.
Aileen: Es riecht auf jeden Fall sehr süßlich.
Sven Lucas Jahn: Prost! Ja, ‘n Helles ist halt der Bierstil für “Es läuft einfach runter”. Das ist, ja, es ist kein anstrengendes Bier, wo wer weiß, wie viele komplizierte Aromen drin sind, die irgendwann anstrengend werden, sondern es ist einfach ein bisschen Restsüße und nicht zu süß. Und hat einen Grund, warum es immer beliebter wird. Also das ist unser Dunkles Kellerbier.
Sven Lucas Jahn: Ähm. Auch das so ein bisschen…
Aileen: Lakritzig riecht das für mich.
Sven Lucas Jahn: Ja, Lakritze, Kaffee, Schokoladenaromen. Das kommt tatsächlich vom Röstmalz, das hier verwendet wird, also das wird auch tatsächlich genauso geröstet, wie auch Kaffeebohnen und Kakaobohnen geröstet werden. Und dadurch entstehen eigentlich auch so ziemlich die gleichen Aromakomponenten, weswegen es dann auch tatsächlich das Aroma mitbringt.
Axel: Zum Wohl!
Sven Lucas Jahn: So, eine kurze Nummer drei unserem Hefeweizen auch da gehen wir nicht unbedingt den gleichen Weg wie viele andere. Auch das ist eigentlich ein sehr fruchtbetontes Bier, was in dem Fall tatsächlich alles von der Hefe kommt. Hopfen ist im Weizen zwar drin, aber das spielt eine sehr, sehr untergeordnete Rolle. Das ist wirklich alles von der Hefe und gerade die Weizenbier-Hefen können sehr, sehr, sehr viele komplexe Aromen.
Sven Lucas Jahn: Das sind tropische Früchte. Banane ist sehr oft sehr viel drin. Bananearoma ist sogar tatsächlich auch der gleiche Aromastoffe wie in der Banane und ja, bis hin zu Trockenobst-Früchten. Es ist auch etwas, was vielen Leuten schmeckt, die eher nicht so wirklich Bier mögen. Ja, weil hier ist halt nichts vom Bitteren oder so wirklich drin. Das ist ganz, ganz, ganz anders.
Axel: Die leckeren Biersorten, die kann man hier wohl auch in einem Freisitz genießen. Wo komme ich da hin und was zeichnet den Freisitz aus?
Sven Lucas Jahn: Also der Freisitz ist direkt hier oben auf dem Burg-Platz. Direkt am Rathaus dann vor der Tür, vor unserem Haupteingang. Was ihn auszeichnet: Er ist leider nicht so groß.
Axel: Also begehrte Plätze auf jeden Fall.
Sven Lucas Jahn: Begehrte Plätze, die auch im Sommer schnell reserviert sind. Ja, es ist halt leider nicht unbedingt die sonnigste Ecke, was aber im Hochsommer umso dann angenehmer ist. Da ist man dann ein bisschen geschützter. Ja, so die Nummer vier, das und die Gose, Leipziger Gose. Also auch die, sind wir auch ein bisschen ‘n anderen Weg gegangen. Die ist wesentlich betonter im Koriander und bei weitem nicht so sauer wie viele andere.
Sven Lucas Jahn: Und was ich sehr schön finde, ich bin nämlich auch leider einer derjenigen, für die Korianderblätter wie Seife schmeckt. Das kommt zum Glück nicht so durch. Es macht nicht den Eindruck, als würde man auf ‘nen Seifenblock beißen. Dann wäre ich da auch absolut nicht der Fan von. Aber es hat einfach diese Zitronennote, das Aroma und zusammen mit der leichten Säure ist es halt einfach
Sven Lucas Jahn: im Sommer. Es ist ein unglaublich tolles Sommergetränk. Ja, dann vielleicht für euch noch mal: Das ist unser aktuelles Spezial, das Pale Ale.
Aileen: Oh, das riecht aber sehr fruchtig!
Sven Lucas Jahn: Das, ja, das war zum Glück. Das war die Absicht. Soll sehr, sehr fruchtig sein, auch gerade ein bisschen tropische Früchte, Kokosnuss usw. Da kommt es tatsächlich vom Hopfen. Da, gerade Pale Ale zeichnet sich natürlich hauptsächlich durch seine Hopfung aus. Und dass es, ja, noch schön süffig ist. So, und dann das, was ich eigentlich auch am liebsten hätte, dass es deutlich mehr Leute trinken würden:
Sven Lucas Jahn: Alkoholfreies.
Sven Lucas Jahn: Alkohol ist natürlich ein unglaublicher Geschmacksverstärker und ein Träger von Vollmundigkeit und muss das natürlich irgendwie ausgleichen. Ja, man kann nicht einfach nur den Alkohol wegnehmen und dann erwarten, dass es gut oder intensiv schmeckt, dass es da nicht wässrig wird. Und man muss natürlich irgendwas sozusagen als Kontrast geben. Ein bisschen mehr Zucker ist natürlich drin, ein bisschen mehr Restsüße, aber es ist nicht sonderlich so viel.
Sven Lucas Jahn: Also da wird auch viel übertrieben, dass man das ja quasi nicht trinken kann, das alkoholfreies Bier, weil es ja schlimmer als Limo ist. Absolut nicht. Das ist kompletter Blödsinn, allein schon von der Zuckerzusammensetzung. Und da muss man natürlich auch ein bisschen Geschmack reinkriegen. Und zum Glück kann man mittlerweile so schöne Aroma-Hopfen, so viele verschiedene Aroma-Hopfen. Das wir hier gerade auch mit so ein bisschen Hopfen, der Passionsfrucht, Maracuja und so, was Geschmack mittlerweile alles mitbringt, was man da was erarbeiten kann und auch nicht nur die Aromen, sondern auch ein bisschen Vollmundigkeit usw mitbringen kann.
Sven Lucas Jahn: Aber es ist halt allein schon auch vom Geschmack her find’ ich’s, ja ich trink es wesentlich lieber als viele Limonaden.
Axel: Was gibt es denn abseits von den klassischen Brauereitouren, die Sie anbieten, so für Spezial-Events und vor allem, wo kann man sich darüber informieren, wenn man nach Leipzig kommt und eben mal in den Ratskeller schauen möchte?
Sven Lucas Jahn: Also wir haben immer wieder so ein bisschen auch Veranstaltungen, wir haben Whisky-Seminare, wir haben in nächster Zeit anstehend ein großes Steak-Seminar. Ja, der erste Gang ist erst mal ein kleines Stückchen Wagyu A5. Und wo wir zum Beispiel speziell eine Bierbegleitung für teilweise kreieren, zum Beispiel. Auch gibt es ein exklusives Bier, damit es halt zu den Gängen passt, was wir jetzt nicht unbedingt sonst am Hahn hätten
Sven Lucas Jahn: und was speziell dafür machen. Ja, wie man sich darüber informieren kann, ist hauptsächlich über unsere Website. Ansonsten kann es auch, wir haben tatsächlich eine Verkaufsabteilung, eine relativ große, die oft tagsüber zu erreichen sind. Und die Telefonnummer ist sehr schön einfach. Es ist einfach 1234567. Ja, ich habe auch schon Anfragen gekriegt, warum ich denn die Leute verarschen will und ‘ne blödsinnige Telefonnummer eintrage in das Onlineformular.
Sven Lucas Jahn: Nee, nee, nee, ist es wirklich.
Aileen: Dann vielen lieben Dank, Herr Jahn, für diese wundervolle Tour und natürlich auch die Verkostung der Biere.
Sven Lucas Jahn: Absolut mein Vergnügen. Vielen Dank, dass ihr vorbeigekommen seid und euch das Ganze angeguckt habt.
Axel: Ja, auch von mir ganz lieben Dank. Ich kann sagen, es hat geschmeckt und ich bin wirklich überrascht von den vielen Geschmackseindrücken und natürlich auch Seh- und Höreindrücken. Vielen Dank!
Aileen: Das war unser Tag im Ratskeller Leipzig. Wir haben uns heute die Brauerei angeschaut und wenn ihr jetzt auch Lust bekommen habt, dann schaut doch auf jeden Fall mal vorbei und lasst es euch ebenso schmecken, wie wir das gerade gemacht haben. Leipzig ist übrigens bekannt für seine Brau- und Biergarten-Kultur, also macht es euch zum Beispiel gemütlich im Bayerischen Bahnhof mit eigener Brauerei und Biergarten.
Aileen: Eine wirklich imposante Location und im Doldenmädel, zum Beispiel, direkt nebenan, findet ihr sicher auch ein schönes Plätzchen. Dort gibt es neben dem Bier aus dem Bayerischen Bahnhof auch noch ganz viele internationale Sorten zum Probieren. Und hier noch eine Szene-Tipp: Die Substanz. Dort gibt es neben Bier auch noch ziemlich leckere Burger.
Axel: Ja, oder schaut mal in Naumanns Gaststube am Felsenkeller vorbei oder geht mal in die Gosenschenke Ohne Bedenken. Da gibt es - Überraschung - unfassbar viele Gose-Variationen. Oder wenn’s euch ins Grüne zieht, ab mit euch in den Biergarten unterm Ginkgo-Baum. Oder schaut mal beim Wilden Heinz vorbei.
Aileen: Und in der Region, zum Beispiel am Cospudener See gibt es das Pier 1 mit wunderbarem Seeblick und im Heide Spar in Bad drüben, da lädt das Restaurant Mühlenstube in den warmen Monaten in einen sehr, sehr idyllischen Biergarten ein.
Axel: Wenn ihr diesen Podcast mögt, dann lasst uns liebend gern eine Bewertung da und schickt ihn Freundinnen und Freunden, die ihr mit nach Leipzig nehmen wollt.
Aileen: Ja und schaut auch noch mal gerne in die Shownotes und auf leipzig.travel, denn dort findet ihr ganz, ganz viele weitere Tipps für eure Leipzigreise.
Axel: In unserer nächsten Folge fragen wir uns: Leipzig mit Hund - funktioniert das gut? Das hören wir uns mit euch gemeinsam an! Also abonniert den Podcast am besten, um keine Folge mehr zu verpassen.
Aileen: Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Folge, denn ich bin absolute Hundefreundin!
Axel: Ja, ich bin auch gespannt, was Leipzig und Region für Vierbeiner so zu bieten hat. Also mach’s gut und bis dahin!
Outro: Willkommen in Leipzig - Der Podcast für deine Leipzig-Reise.